Das Mobbing-Syndrom in vier Stadien [9, 10] Stadium 1: Akute Belastungsreaktion (F43.0, Vorstufe des Mobbing-Syndroms) Das Stadium 1 ist definitionsgemäß nach vier Wochen beendet. Mehrere „akute Belastungen“ können jedoch bei gleicher Zielsetzung zum Stadium 2 führen und werden daher besser als Vorstufe zum „Mobbing-Syndrom“ bezeichnet. Stadium 2: „Kumulative“ traumatische Belastungsstörung (KTBS, bisher F43.9) —Biphasisches Auftreten von Depression und Angst im Wechsel mit Aggressionen und         eventuell damit einhergehenden Suizidgedanken —Einbrechendes Selbstwertgefühl mit Selbstzweifeln und Schuldgefühlen —Zunehmendes Vermeidungsverhalten —Schlafstörungen mit Grübelzwängen —Substanzmissbrauch aufgrund von Angst und Schlafstörungen —Eingeengtes Denken an den Konflikt, woraus sich die Plausibilität für Mobbing ableitet,         wenn entsprechende Handlungen mit Mobbing-typischer Intention vorliegen —Hypervigilante Kognition betreffend den Mobbing-Konflikt —Eingeschränkte Kognition im Alltag aufgrund des eingeengten Denkens an den Konflikt —Psychosomatische Funktionsstörungen (vor allem im Bewegungs-/Magen-Darm-Bereich) —Entwicklung einer Phobie gegen Fremdbestimmung Das Stadium 2 ist die Folge von mehreren akuten Belastungsreaktionen des Stadium 1. Diese nach Fischer und Riedesser im Kapitel „Mobbing“ bezeichnete „kumulierende Traumatisierung“ [7] stellt den eigentlichen Beginn des „Mobbing-Syndroms“ dar. Dieses weist eine Mehrzahl der im Stadium 2 beschriebenen Charakteristika auf. Einige Symptome dieses Stadiums können auch bei den übrigen Stadien des Mobbing-Syndroms gefunden werden. Die in 20-jähriger Erfahrung herausgearbeiteten Kriterien bestätigen und konkretisieren die in drei Ländern (Schweden, Deutschland, Österreich) erhobenen Beschwerden ([7] Tab. 20). Stadium 3: Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS, F43.1) Stadium 4: Andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (F62.0) —Ängstlich vermeidende Persönlichkeitsstörung (F 60.6) —Paranoide Persönlichkeitsstörung (F60.0) —Obsessive Persönlichkeitsstörung (F60.0)    Literatur 1. Dt Ärztebl 1997; 94: A 1663 [Heft 24] 2. Wickler P (Hrsg), Coserio P, Hänsch B, Schwan H: Handbuch Mobbing-Rechtsschutz, C.F. Müller Verlag, Heidelberg, 2004 3. Wickler P: Mobbing als Noxe, in: Der medizinische Sachverständige 2004; 2:64–69 4. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD- 10-GM Version 2013, Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) – German Modification , 5. Saß H, Wittchen H, Zaudig M: Diagnostisches und Statistisches Manual PsychischerStörungen (DSM-IV-TR) 6. Leymann H: Der neue Mobbing-Bericht, Reinbek bei Hamburg 1995; Rowohlt Störungen. DSM-IV, Göttingen 1996; Hogrefe, 7. Fischer G, Riedesser P: Lehrbuch der Psychotraumatologie, München, Basel 1998; Reinhard- Verlag 8. Verwaltungsgericht Giessen: Urteil wegen Falschbegutachtung, Az 21 K 1220/09.GL.B 9. Bämayr A: Das Mobbingsyndrom, Diagnostik, Therapie und Begutachtung im Kontext zur in Deutschland ubiquitär praktizierten psychischen Gewalt, Bochum: Europäischer Universitätsverlag 2012 10. Bämayr A: Mobbing, Klassifikation des Erkrankungsverlaufs, in: Neurotransmitter 2006; 11: 22